Aale, Ocelots und rosa Wölfe: In Berlin dürfen ...

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Aale, Ocelots und rosa Wölfe: In Berlin dürfen Buchhändler das

In Berlin darf man das: Wannenbuch-Praktikantin Frances kann da nur staunenVon Frances Obst

Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Nation, sondern auch eine Ansammlung von Kuriositäten und Dingen – die Nicht-Berliner (inklusive des Wannenbuch-Teams) wahrscheinlich nicht ganz begreifen. „Mit Katzen aus dem Auto winken … in Berlin darf man das“ (sagt zumindest die Band Tubbe, zu hören auf YouTube) Und weil das noch nicht genug ist, dürfen nicht nur Frisöre, sondern auch Buchhändler Geschäfte mit ganz und gar ungewöhnlich-kreativen Namen eröffnen. Teil 10: Don't judge a book(shop) by its cover name.


  1. Die Buchkönigin (Neukölln)
    Wahlweise wird in diesem Laden mit Flamingos Croquet gespielt (und wenn man ein zu schlechter Spieler ist, auch der Kopf abgeschlagen), während ein verängstigtes weißes Kaninchen flüstert, dass es zu spät zum Tee kommt. Oder die Kunden lernen mit professioneller Hilfe, loszulassen, während sie tanzend und singend ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Jedem nicht Disney-affinen Leser rate ich eindringlich dazu, diese Anspielungen im Internet nachzuschlagen.
  2. Playing with Eels (Kreuzberg)
    Es gibt Hunderte Buchhandlungen, die eine seriöse Atmosphäre mit einem konservativen Namen verbreiten wollen. Diese Buchhandlung gehört nicht dazu. Perfiderweise wirft dieser Name nur mehr Fragen auf, als er tatsächlich beantwortet. Allen voran: Wie spiele ich mit einem Aal? Warum hatte ich nie einen Aal als Haustier? Muss ich dafür schwimmen können? Und: Wieso klingt das nach einem neuen Fetisch?
  3. Lesen und lesen lassen (Friedrichshain)
    Dem leicht bedrohlich anmutenden Namen zu urteilen, muss jeder Kunde eine folgenschwere Entscheidung treffen. Entweder wechselt er auf die glorreiche Seite der Macht und sonnt sich devot im Glanz der Bücher – oder er geht elendig an seiner Unwissenheit zugrunde. Eine dritte Option gibt es nicht.
  4. Doyoureadme? (Mitte)
    Diese atemlos gestellte Frage erlaubt, wie eine Sphinx, nur eine richtige Antwort: ja, natürlich.
  5. Otherland (Kreuzberg)
    Um diesen auf SciFi und Horror spezialisierten Buchladen zu betreten, gibt es diverse Optionen:
    A) Der willige Kunde lässt sich von einem Lichtschein in eine fliegende Untertasse beamen.
    B) Der Kunde rennt blindlings auf eine massive Steinwand zu und hofft auf das Beste.
    C) Er wird von einem äußerst hilfsbereiten und keineswegs verstörenden Clown in die Abwasserkanäle gelockt. Gemäß dem Fall, dass der allseitig gebildete Leser alle Anspielungen verstanden hat: Willkommen auf der anderen Seite.
  6. Unforgotten books (Friedrichshain)
    Das Necronomicon in arabischer und englischer Sprache, sowie die Aufzeichnungen über die Namenlosen Kulte, werden nur auf Anfrage ausgegeben. (Und gegen Vorlage eines Mitgliedsausweises besagter Namenloser Kulte.) Als Pfand muss aus Sicherheitsgründen die Seele hinterlegt werden.
  7. Miss Marple (Charlottenburg)
    Als Kunde dieses Laden steht es jedem zu, mindestens eine Tasse Tee zu verlangen. Und sich – aufgrund eines starken Mangels anderer Hobbys – ungefragt in polizeiliche Ermittlungen einzumischen.
  8. Buchdisko (Pankow)
    Da der introvertierte Leser (und die hier schreibende Autorin) zu Lebtagen mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit das Innere einer Disko zu sehen bekommt – hier die Lösung. Maßgeblicher Vorteil: Da hier von Büchern umgeben, besteht keine Notwendigkeit mit anderen lebenden Menschen Kontakt aufzunehmen.
  9. totsicher (Lichterfelde)
    Es besteht eine 50:50 Chance diesen Laden wieder zu verlassen. Gemäß dem Falle, der Kunde schafft es wieder nach draußen, gibt es hier zwei Möglichkeiten: Entweder auf den eigenen zwei Beinen (empfohlen) oder in einer, etwa zwei Meter langen, Plastiktüte in modischem schwarz (optional).
  10. Grober Unfug (Mitte)
    Für alle, die sich, umgeben von anderen Menschen, nicht trauen, aus sich heraus zu kommen. Die hier anwesenden Bücher verurteilen den Kunden dafür nicht – und die Verkäufer hoffentlich ebenso wenig.
  11. ocelot, not just another bookstore (Mitte)
    Sollte ein Kunde den Laden verlassen, ohne ein Buch zu kaufen, wird er hier von kleinen, niedlichen, durchaus bösartigen und extra dafür ausgebildeten Wildkatzen in die Waden gebissen. (Oder auch nicht.)
  12. Müßiggang (Friedrichshain-Kreuzberg)
    … ist aller Laster Anfang. Und der Beginn einer unheilbaren Sucht nach Büchern, die sich jedweden Verständnis derer entzieht, die nicht davon betroffen sind.
  13. Buchkantine (Moabit)
    Lässt zwei Betrachtungsweisen zu. Entweder ist dieser Laden speziell auf die morbiden Bedürfnisse von Bücherwürmen ausgerichtet, die im wahrsten Sinne des Wortes Bücher zum fressen gern haben (unwahrscheinlich). Oder es ist eine heimtückische Falle für ahnungslose Touristen, die mordlüsternen Büchern zum Fraß vorgeworfen werden (realistisch).
  14. Rosa Wolf (Prenzlauer Berg)
    Dringend gesucht: Verschwiegener Tierpfleger, der dem armen Wolf die Farbe aus dem Fell wäscht und keine unnötigen Fragen stellt, warum das Tier rosa ist.
  15. Pro qm (Mitte)
    Ganz nach der abgewandelten Geschäftsidee eines kommunistischen Kängurus, gibt es hier offensichtlich Bücher für einen Quadratmeterpreis zu erwerben. Eine bahnbrechende Idee, da jede andere Form des Verkaufes von Büchern unangemessen ist, für die Mengen, die der eingefleischte Buchliebhaber benötigt.

Der Leser mag nun leicht irritiert sein, was wir eigentlich mit Berlin zu schaffen haben. Ganz einfach: Die Hauptstadt ruft nach uns! Dieses Wochenende sind wir mit unseren Wannenbüchern auf der Buchmesse Buch Berlin zu finden. Am Samstag (24.11.2019) und Sonntag (24.11.2019) findet ihr unseren Wannenbuch-Stand im Veranstaltungssaal des Mercure Hotel MOA Berlin. Wer in diesem Jahr seinen Anstandsbesuch bei uns noch nicht absolviert hat und jeder, den noch keine unserer wasserfesten Neuerscheinungen erworben hat, hat in Berlin eine letzte Chance. Anderenfalls übrigens kann er in jeden Buchladen des Landes gehen (also auch und ganz unbedingt in die oben genannten 15) und nach einem Wannenbuch fragen. Dann aufwändiger Logistik ist das Wannenbuch ein bis zwei Tage später abholbereit vor Ort.

DIE AUTORIN Frances Obst studiert Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und absolviert derzeit ein Praktikum bei der Edition Wannenbuch. Jede Woche schreibt sie im Wannenbuch-Blog über den Verlagsalltag und ihre Aufgaben. Alle ihre Beiträge können hier nachgelesen werden.

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