Zu Gast in Leipzig zur Buchmesse: Diese Orte mü...

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Zu Gast in Leipzig zur Buchmesse: Diese Orte müsst ihr gesehen haben

Wannenbuch-Praktikantin Frances freut sich auf die Leipziger Buchmesse - und gibt Tipps für StadtbesucherVon Frances Obst

Endlich stehe ich mal nicht vor der Aufgabe, für eine Messe durch halb Deutschland fahren zu müssen. Denn in vier Wochen pendelt die Buchgemeinde geschlossen nach Leipzig. Und ich? Ich pendle nur von einer Straßenbahn zur anderen. Was zugegebenermaßen während der Messe auch schon schwer genug ist. Die Leipziger Buchmesse ist von Donnerstag bis Sonntag (12.03.-15.03.2020) jedem Besucher frei zugänglich – und die Edition Wannenbuch ist in der Halle 5 Stand K510 auf euch vorbereitet. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, jeder kann es sich antun, alle vier Tage auf der Messe zu verbringen – empfehlen werde ich es definitiv nicht. Vier Tage Messe – danach kann jeder Leser für die nächsten drei Monate auf Sport getrost verzichten. Aber was soll man denn sonst unternehmen, wenn man schon in Leipzig ist? Teil 21: Leipzig – der Nabel der Welt


Wenn ich ehrlich wäre, müsste ich schreiben, dass mein Lieblingsplatz meine Couch ist. Oder die Couch meiner Freunde. Aber da ich keine Schlafgelegenheiten anbiete, wird das sofort wieder gestrichen.

Stattdessen meine extrem subjektive Liste von Orten in Leipzig, die einen Besuch wert sind.

  1. Panometer Leipzig
    Wir haben so viele Museen in Leipzig und jeder schwört auf ein anderes. Mein Favorit ist das Panometer, ein ehemaliger Gasspeicher. Was das Panometer so besonders macht, ist seine Kuppel. Die Kuppel des ehemaligen Speichers ist mit einem 360°-Panorama-Bild ausgehangen und atmosphärisch beleuchtet. Je nach Ausstellung werden diverse Sound- oder Lichteffekte eingespielt. Besonders beeindruckend bei Naturaufnahmen.
  2. Aussichtsplattform MDR
    Heißt offiziell „Panorama Tower Aussichtsplattform“. Wirklich niemand nennt das MDR-Hochhaus „Panorama Tower“. Erst recht nicht, da wirklich in meterhohen Lettern ein nicht zu übersehender Schriftzug eben diesen „Tower“ ziert. Wenn es gut kommt, spricht jemand vom „City-Hochhaus“. Aber schlussendlich nennen wir das höchste Hochhaus der Stadt einfach den Uniriesen. An dieser Stelle hätte ich auch das Völkerschlachtdenkmal empfehlen können. Aber die Aussicht vom MDR ist um einiges spektakulärer, besonders bei Nacht.
  3. Stadthafen
    In verträumten Reiseführern verklärt „Klein-Venedig“ genannt. Dort bündeln sich die angelegten Kanäle der Weißen Elster. Allein ein Spaziergang lohnt sich durch den Stadthafen – aber vom Wasser aus ist das Viertel beeindruckender. An der Pferderennbahn gibt es zahlreiche Verleihe für Kanus, um selbst durch die Kanäle zu schippern und sich unsportlich zu fühlen. Für Leute, die ein Fitnessstudio nur gerüchteweise kennen, dauert es etwa drei Stunden, um durch die befahrbaren Teile der Kanäle zu paddeln. Für den größtmöglichen Spaß holen sie noch zwei Freunde hinzu, die genauso unsportlich sind und keine Ahnung vom Paddeln haben. Ich stehe übrigens für solche Touren gerne zur Verfügung. Was man mit mir im Boot zu erwarten hat: Ich werde über drei Stunden hinweg klugscheißen, Flachwitze reißen, uns gegen eine Wand fahren und versuchen die Wasserratten ans Boot zu locken. Ich werde keinen, ich wiederhole, keinen Finger krumm machen, um das Boot vom Fleck zu bewegen.
  4. Süß und Salzig
    Endlich mal was zu essen. „Süß und Salzig“ ist ein kleines Restaurant in Lindenau, das recht unspektakulär erscheint. Es gibt dort sämtliche Mahlzeiten des Tages. Vom Frühstück bis hin zu Mittag und Abendessen. Was es eigentlich besonders macht, sind seine Nudelaufläufe – in allen Variationen, die das Herz begehrt. Und für den Fall, dass die gewählte Begleitung sich sonst ausschließlich von Luft und Liebe ernährt, gibt es auch eine Lösung. Jeder kann sich seinen Auflauf aus den aufgelisteten Zutaten selbst zusammenstellen – wenn es dann immer noch nicht schmecken sollte, ist es zumindest die eigene Schuld.
  5. Café Central
    Hat das beste Tiramisu, das mir bisher bekannt ist. Steht nicht in der Speisekarte, sondern wird unter Eingeweihten weitergeraunt. Um es zu bestellen, sollte den Kellnern tief in die Augen gesehen werden. Anschließend wird „Tiramisu“ geflüstert, als würden Staatsgeheimnisse weitergegeben werden. Beim Bestellen darauf achten, dass die anderen Tische nichts mitbekommen. Wir wollen ja, dass es ein Geheimnis bleibt. Der Kellner wird wissend nicken und anschließend eine Portion Tiramisu kredenzen, deren Größe jenseits von gut und böse liegt.
  6. Buchhandlung Ludwig Hauptbahnhof
    Inoffiziell die schönste Buchhandlung Deutschlands. Die Bahnhofsbuchhandlung befindet sich nämlich in einer ehemaligen preußischen Wartehalle. Mit massiven Zierbögen innerhalb des Ladens, einer teilweise verglasten Decke und einer zweiten Ebene mit bodentiefen Panoramafenstern auf der sich das Café befindet. Bücher gibt es da übrigens auch, aber das nur am Rande.
  7. Zoo Leipzig
    Empfehlenswerter, wenn es wärmer ist. Aber das Wetter zur Buchmesse ist ohnehin reines Glücksspiel. Wir hatten schon den Frühlingsanfang mit über zwanzig Grad, aber auch schon den Wintereinbruch mit dem einzigen Schnee in diesem Winter. Selbst wenn es kalt sein sollte, ist das Gondwana-Land einen Besuch wert. Darin herrschen tropische Temperaturen inklusive der dazugehörigen Luftfeuchte eines Regenwaldes. Eine Dusche im Vorfeld des Besuchs ist übrigens komplett nutzlos. Ein tropisches Mikroklima in dieser Halle und bei Außentemperaturen unter zehn Grad sind wir alle angezogen, als würden wir an den Nordpol auswandern wollen. Um es kurz zu machen: Nach diesem Besuch kann jeder im eigenen Schweiß baden. Für die Hartgesottenen, die draußen umherstiefeln, gibt es momentan einen Baby-Elefanten zu bestaunen.
  8. Schlittschuhlaufen „Leipziger Eistraum“ oder im Kohlrabizirkus
    Der „Leipziger Eistraum“ ist eine angelegte Eisfläche auf den Augustusplatz zum Schlittschuhlaufen. Inklusive Ständen mit Glühwein, Crepes und alles, was sich sonst auf einem Weihnachtsmarkt tummelt. Wird allerdings nach dem 01.03. wieder abgetaut und ist somit zur Buchmesse leider nicht mehr aufgebaut. Alternativ empfehle ich den Leipziger Kohlrabizirkus. Für alle, die gerne Schlittschuhlaufen oder sich einfach mal sehr gepflegt und äußerst schmerzhaft auf den Hintern setzen wollen. Angemeldete Gruppen können Eisstockschießen ausprobieren. Aber auch ohne die Eisbahn ist der Kohlrabizirkus im Sommer einen Besuch wert. Einmal im Jahr findet ein Bücherflohmarkt statt. Will heißen die komplette Industriehalle ist mit Büchern gefüllt. Mit Mängelexemplaren und Fehldrucken, die sich auf Paletten und Tischen stapeln. Der ungezähmte Traum eines jeden Bücherfanatikers. Nicht vom Äußeren abschrecken lassen. Auch wenn es nicht so aussieht, die Halle wird durchaus benutzt.
  9. Seen
    Leipzig ist umgeben von Seen. Weniger ein glücklicher Zufall, als vielmehr die Antwort auf die Frage, was aus den riesigen Löchern eines Tagebaus wird. Hier sammelt sich halb Leipzig, wenn in den Sommermonaten die Hitze in der Stadt steht. Am einfachsten erreichbar ist der Markleeberger und der Cospudener-See. Besonders am Markleeberger-See findet sich die meiste Unterhaltung. Ein Kanupark, mit einer Wildwasserbahn und ein Kletterpark. Wem die Messe allerdings schon genug Aufregung und Fitness ist, kann sich auch mit einem Ausflugsschiff über den See schippern lassen.
  10. Prager Frühling
    Da ich mich in der florierenden Party-Szene überhaupt nicht auskenne, also nicht mal ansatzweise, muss ich auf ein Kino umschwenken. Oder hat der Leser wirklich etwas anderes von mir erwartet? Ich sollte hier erwähnen, dass es von außen nicht wie ein Kino aussieht und das Hinweisschild ist… sagen wir, unauffällig. Kann natürlich durchaus gewollt sein, denn es ist ein äußerst kleines Kino. Ein Kino. Singular. Genau eins. Ein einziger Saal, der bis oben hin mit Sitzen gefüllt ist. Wenn der voll ist und man selbst nicht drin, hätte es geholfen, sich früher anzustellen. Das Programm recht übersichtlich – andere würden sagen ausgewählt. Gezeigt werden größtenteils internationale Independent-Filme, oftmals in Originalsprache nur mit Untertiteln.

DIE AUTORIN Frances Obst studiert Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und absolviert derzeit ein Praktikum bei der Edition Wannenbuch. Jede Woche schreibt sie im Wannenbuch-Blog über den Verlagsalltag und ihre Aufgaben. Alle ihre Beiträge können hier nachgelesen werden.

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