Das unbekannte Leben eines Autors

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Das unbekannte Leben eines Autors

Blick gen Himmel - auf der Suche nach Eingebung für einen Geschichte: Wannenbuch-Praktikantin Frances ObstVon Frances Obst

Das Licht des einsamen Leuchtturms schimmert auf dem nächtlichen Meer. Die spärlich besiedelte Insel ist in Stille getaucht. Das einzige Geräusch ist das emsige Klappern einer Computertastatur, mit der (hoffentlich!) der nächste große Bestseller in diesen Sekunden niedergeschrieben wird. Der Morgen beginnt in der Ferne zu grauen. Aber Zeit spielt in der einsamen Hütte fernab jeglicher Alltagshektik sowieso keine Rolle. Teil 7: Wie fühlt es sich eigentlich an, Schriftsteller zu sein?


So oder so ähnlich stellen sich viele die Arbeit eines Autors vor – und ich bin dabei keine Ausnahme. Ich kenne (aus Büchern) nur zwei Arten von Autoren: der intellektuelle Introvertierte oder das wandelnde Chaos. Letzterer ist ein nervliches Wrack, das die Telefonanrufe seines Verlegers ignoriert, weil die Deadline vor einer Woche abgelaufen ist und er bisher kein Wort zu Papier gebracht hat. Ob es tatsächlich etwas dazwischen gibt, kann ich nicht beurteilen. Noch weniger, woher ihre Ideen entspringen – wobei ich stark vermute, dass sie oft genug in der Badewanne kommen. Vielleicht beobachten die Literaten aber auch ihren (drogenabhängigen?) Mitbewohner so lange, bis er den Beschluss fasst, vor die Tür zu gehen und Verbrechen aufzuklären. Oder sie rufen verzweifelt die Götter an und bitten um Erleuchtung.

Der aufmerksame Leser wird mittlerweile bemerkt haben, dass meine Kenntnis vom Leben und Wirken eines Autors äußerst begrenzt ist – aber so verhält es sich mit Wesen, von denen man nur gerüchteweise gehört hat. Umso erstaunter war ich, als ich zur Frankfurter Buchmesse feststellen durfte, dass Autoren im richtigen Licht sogar wie normale Menschen wirken. Und dass sie Wannenbücher lesen. Vielleicht diente dieser Vorwand auch der Tarnung und sie haben unerkannt Inspiration für ihre neuen Bücher gesammelt.

Oder Verlegern in aller Heimlichkeit ihre Ideen unterbreitet.

Unverhofft kommt oft. Und tatsächlich haben wir auf Messen schon mehr als einen Autor getroffen, dessen Manuskript heute als wasserfestes Büchlein der Edition Wannenbuch erhältlich ist. Solange es auf die acht Seiten eines Wannenbuches passt, in 15 Minuten gelesen ist und zu unserem bunten Verlagsprogramm passt, dürfen Autoren – und solche, die es werden wollen – bei uns ihre Manuskripte und Ideen vorstellen. Per Mail, per Brief – alles ist möglich. Egal, ob ihre Einfälle von den Göttern gesandt wurden – oder in der Badewanne mit einer Badeente ausgeklügelt wurden.

Übrigens: Wie sich die Wannenbuch-Autoren selbst das Autoren-Dasein so vorstellen, verraten sie uns im Fragebogen. Auf unserer Team-Seite könnt ihr es nachlesen.

(Anmerkung der Autorin: Per Eulenpost gesandte Manuskripte werden aus Sicherheitsgründen nicht zurückgesandt.)

DIE AUTORIN Frances Obst studiert Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und absolviert derzeit ein Praktikum bei der Edition Wannenbuch. Jede Woche schreibt sie im Wannenbuch-Blog über den Verlagsalltag und ihre Aufgaben. Alle ihre Beiträge können hier nachgelesen werden.

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