Vom Lager in die Badewanne

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Vom Lager in die Badewanne

Praktikantin Frances zählt im Wannenbuch-Lager.Von Frances Obst

Was genau ich mit dem Klemmbrett mache, ist weniger spannend, als ich es darstelle. Ich zähle. Warum zähle ich? Weil ich das in den vergangenen 15 Jahren verlernt habe, obwohl sich meine Lehrer so viel Mühe gegeben hatten? Nicht ganz, aber nah dran. Ich mache Inventur in unseren Lagern – was ein sehr hochtrabendes Wort dafür ist, dass ich ganz einfach sämtliche Bestände an Wannenbüchern zähle. Wir sollten schließlich wissen, was in welchen Mengen bei uns an Büchern vorrätig ist. Teil 16: Aus dem Wannenbuchlager zum Kunden in die Badewanne.


Das Licht geht in dem kleinen Raum an. Fauchend halte ich mein Klemmbrett vor die Augen. Ich unterdrücke das Bedürfnis, mich in eine Ecke zu kauern und „Mein Schatz!“ zu zischen. (Das Foto wurde aufgenommen, nachdem ich mich seelisch und moralisch wieder gefasst und eine halbwegs professionelle Erscheinung abgebe.) 

Vier Mal im Jahr streift einer aus dem Wannenbuch-Team durch die kalte, dunkle Landschaft unserer Lager und versucht herabfallenden Kartons auszuweichen. Falls besagte Person nicht wiederkommt, wird jemand anderes geschickt, um nach dem Vermissten zu suchen ... Und notfalls zu bergen. In den Lagern türmen sich Kartons mit den bestellbaren Wannenbüchern - aber nicht nur in unseren Lagern. Überall, wo Wannenbücher bestellbar sind, wandern einmal im Jahr einsame Seelen durch endlose Gänge, die zuletzt Dschinghis Khan durchritten hat, und zählen. Und dabei zählen sie auch unsere wasserfesten Bücher. Egal ob bei beim Buchgroßhandel KNV, von dem ich euch schon einmal berichtet habe, oder bei Versandhäusern wie Amazon, geschenke.de oder bei Libri (gleiches Konzept wie KNV, nur größer) – überall lagern unsere Wannenbücher. Egal wo, wie und von wem bestellt wird – am Ende zieht entweder ein Großhändler oder wir die Wannenbücher aus den Regalen, verpackt und verschicken sie. Bei einer Bestellung in unserem Wannenbuch-Shop springen wir natürlich in die Bresche. Falls es bei der Anschauung hilft, kann sich der geneigte Leser nun vorstellen, wie ich Montagmorgen mit einer Tasse Kakao gähnend durch die Lager streife und die bestellten wasserfesten Büchlein zusammensuche.

Aber genau das ist für einen Verlag nicht selbstverständlich. Verlage unserer Größenordnung, Kleinverlage mit allenfalls einer Handvoll Mitarbeitern, übernehmen die Lagerung und Auslieferung oft selbst. Doch es kommt auch vor, dass Kleinverlage räumlich nahe beieinander liegen. Dann können sich mehrere von ihnen ein Lager und Versandmitarbeiter teilen – das spart Zeit, Kosten und Platz.

Aber wie machen das die wirklich großen Verlage? Streifen da auch Praktikanten, wie einsame Wölfe, durch dunkle Gänge und suchen aus Regalen Bücher zusammen? Hier kann ich ganz eindeutig mit einem klaren Jein antworten. Große Verlage besitzen selbstverständlich auch eigene Lager. In einer vollkommen anderen Größendimension, als wir es bei der Edition Wannenbuch haben, versteht sich. Wenn da ein Mitarbeiter verloren geht, müssen Suchhunde angefordert werden. Spaß beiseite – die komplette Auslieferungslogistik ist vollkommen anders aufgestellt. Speziell geschulte Mitarbeiter leiten diese Lager und verarbeiten die Bestellungen. Privatbestellungen werden als Paket zur gewünschten Adresse geschickt, Bestellungen vom Buchhandel werden anders gehandhabt. Nun wird der (durch mich) gebildete Leser aufschreien: Du hast doch gesagt, die bestellen beim Großhändler! Ja, habe ich. Beim Großhändler bestellt der Buchhandel Kundenbestellungen, einzelne Bücher. Große Mengen werden normalerweise beim Verlag bestellt. Diese tonnenschweren Pakete werden nicht per Post verschickt. Dafür gibt es Bücherwagendienste – ein schönes, nicht selbsterklärendes Wort, das meine Professoren sehr gern verwenden. Was so kompliziert klingt, ist recht simpel. Da nachts die Buchhändler von den Großhändlern beliefert werden, machen die Fahrer noch einen kurzen Abstecher zu den Verlagen. Wenn sie ohnehin die Buchhandlung beliefern müssen, nehme sie die Verlagspakete einfach gleich mit.

Und solange die Edition Wannenbuch nicht die Größe von zum Beispiel Carlsen (der mit der Harry-Potter-Reihe) erreicht, packen wir weiterhin eure Pakete selbst. Vielleicht etwas aufwendiger als andere – aber dafür aber mit mehr Liebe, als es ein anderer Verlag je bieten könnte.

DIE AUTORIN Frances Obst studiert Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und absolviert derzeit ein Praktikum bei der Edition Wannenbuch. Jede Woche schreibt sie im Wannenbuch-Blog über den Verlagsalltag und ihre Aufgaben. Alle ihre Beiträge können hier nachgelesen werden.

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